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31.08.2017
Ein Oberstudienrat im Ruhestand wird 90

Den Pfeiffer mit drei „f“ – den gibt es nicht nur in der, zumindest bei älteren Generationen bestens bekannten, Geschichte von der „Feuerzangenbowle“. Es gab ihn auch lange Jahre in Lauscha. Und genau genommen, ist er hier immer noch allgegenwärtig. Wie sonst könnte es sein, dass Lauschaer sagen: „Wenn du etwas über das aktuelle Geschehen in Lauscha wissen willst, dann musst du den Pfeiffer fragen. Der kennt sich aus.“

Am 12. September wird er 90 Jahre alt, der Hermann Pfeiffer. Und auch wenn er mittlerweile längst in Sachsen wohnt, wohin er seinem Sohn Günther gefolgt ist, im Herzen ist er wohl ein Stückchen ein Lauschaer, ein wenig ein Steinacher geblieben. Grund genug, ihm zu seinem Ehrentag zu gratulieren und ihm viel Gesundheit, Freude und noch viele schöne Erlebnisse zu wünschen. Ankommen werden die guten Wünsche bestimmt, denn Hermann Pfeiffer hat die Lauschaer Zeitung abonniert und studiert in seinem Zuhause in Ottendorf-Okrilla akribisch alle Nachrichten aus der alten Heimat. Vor allem aber informiert er sich telefonisch über das Geschehen hier vor Ort. Groß ist die Zahl derer, die immer wieder erzählen: „Der Hermann hat mich mal wieder angerufen!“ Ehemalige Schüler, Arbeitskollegen oder deren Familien freuen sich, dass sich der Pfeiffer mit den drei „f“ an sie erinnert. Und das mit erstaunlich vielen Einzelheiten. „Er weiß heute noch alle Namen und wer wo im Klassenraum saß“, lobt Günther Heß.

Dabei war Klein-Hermann ja eigentlich ein Steinacher. Geboren am 12. September 1927 in Steinach, wohnte er zunächst in der Sonneberger Straße, später im Gründlein. Auch seine Ehefrau Elli, die er leider schon vor rund zwanzig Jahren verlor, kam aus Steinach. Hermann war, so seine eigenen Worte, ein „kleiner Schnappauf“ und hat sich schon als kleines Kind für alles ringsum interessiert, weiß Hella Reißenberger zu berichten. Steinachs Mundartkoryphäe hält große Stücke auf den Pfeiffer. Es vergeht kein Mundartabend, an dem Hella nicht auch eine kleine Geschichte vom Pfeiffersch Hermann zum Besten gibt. (Ein Beispiel ist am Ende des Artikels nachzulesen.)

Seine Familie war nicht reich, und so mussten alle hart arbeiten. Auch Hermann hat als Junge fleißig mit geholfen. Er hat im Wald Beeren und Holz gesucht, hat Kartoffeln angebaut und ausgegraben, war als Ziegenhirt tätig und hat, wie damals in Steinach in vielen Haushalten üblich, Griffel papiert. Er hatte gerade die zehnte Klasse begonnen, da musste er in den Krieg. Nach Kriegsende studierte er in Jena. „Er hat mir mal erzählt, dass er ins 5. Studienjahr eingestiegen ist und noch sehr gut abgeschlossen hat. Dass er Latein konnte, hat ihm sehr geholfen“, erinnert sich Reißenberger.

1946 hat er wohl in Lauscha als Neulehrer angefangen. „Die waren damals mit Herzblut bei der Sache, für die war Lehrer zu sein Berufung“, sagt Gabi Leipold-Büttner. Für sie war er vor allem ein guter Direktor. Diese Funktion hatte er 1960 bis 1970 inne. In diese Zeit fielen die Bildung des Schulkombinates Lauscha-Ernstthal, die Einweihung des Lehrschwimmbeckens im Untergeschoss der Goetheschule und das Anlegen der Schulgärten hinter der Obermühle. Gisela Böhm, einst selbst Lehrerin an der Lauschaer Schule, erinnert an die Austauschferienlager, die dank des Engagements von Hermann Pfeiffer und seiner Kollegen vielen Schülern erlebnisreiche Ferien in Berlin, Schwerin, Dresden, Waren an der Müritz oder Rostock ermöglichten. „Die kleinen Lauschaer Betriebe konnten sich kein Betriebsferienlager leisten. Aber unsere Schüler hatten so doch die Möglichkeit, in den Ferien preiswert zu verreisen und andere Gegenden kennen zu lernen. In den Winterferien kamen dafür Schüler von dort nach Lauscha. Dafür wurden Klassenräume leergeräumt und Schlafgelegenheiten aufgebaut“, erzählt sie, und dass er sich als Direktor auch für seine Lehrer sehr engagiert hat. „Bei ihm war es nie langweilig“, fügt Ehemann Fritz Böhm hinzu. Er hatte eine hervorragende Sach- und Methodenkompetenz, würde man wohl heutzutage sagen. Und er hat mit seinen Schülern viel gesungen und erzählt, hat den Unterricht manchmal ins Freie verlegt, um den Kindern die Natur nahe zu bringen. Einen wichtigen Satz aus dem Lehrerstudium hat er seinem Handeln zugrunde gelegt, weiß Reißenberger: „Ein Lehrer muss seinen Schülern Stolz vermitteln und das Bewusstsein, dass sie etwas wert sind!“ Lehrer mussten sich zu Pfeiffers aktiver Zeit auch um viele andere Belange kümmern. So hat er am Hüttenplatz immer aufgepasst, dass der Turner Fritz Böhm die Übungszeiten bei Erwin Müller-Sachs nicht übertrieben hat. Auch bei der Lauschaer Bergwacht war Hermann Pfeiffer aktiv. Hochachtung bringt ihm heute noch Günther Heß entgegen. „Er hat mir menschlich und didaktisch viel beigebracht und mir viele gute Ratschläge für’s Leben gegeben“, sagt er über Pfeiffer. „Er stand selbst mit beiden Beinen fest im Leben, hat das, was er in der Schule von seinen Schülern verlangte, auch selbst vorgemacht, sogar beim Sport.“

„Meine Jana hat auch nur Gutes von ihm erzählt“, ist von Heidi Hess zu erfahren. „Er war mein Direktor – und ein Klassenkamerad meiner Schwiegermutter Wally, geborene Scheler“, fällt Hans Apel, geborener Lauschaer und mittlerweile Steinacher, zum Thema Hermann Pfeiffer ein. „Mit ihm konnte man gut zusammenarbeiten“, fügt Marga Fleischmann, ehemalige Schulsekretärin, hinzu. „Mir hat er Geschichtchen aus seiner Kindheit geschickt und teilt mir ständig alte Steinacher  Mundart-Wörter mit, erklärt Flurbezeichnungen… Von früher weiß er halt einfach alles“, lobt Hella Reißenberger. Aber eben nicht nur von früher. Und dass er sich heute noch so intensiv für seine alte Heimat interessiert, dafür, was aus der Schule geworden ist, was es überhaupt Neues hier gibt, das rechnen ihm seine zahlreichen Bekannten hoch an und schicken deshalb einen herzlichen Gruß gen Sachsen: „Happy birthday“, Hermann Pfeiffer.

Doris Hein

im Namen zahlreicher Lauschaer, die Hermann Pfeiffer auch bis zum 100. und darüber hinaus  in guter Erinnerung behalten werden.

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Nachfolgende Geschichte hat Hella Reißenberger im Oktober 2012 nach einer Erzählung von Hermann Pfeiffer aufgeschrieben:

A Strieck

Dä Pfeuffersch Harmann woar viela Joahr Lehrer un Schulderekter in dä Lauscha. Wie rä in dä Mitt van die 70-er Joahr widder raou nei dä Stänich gezochn is, hot ä öftersch bei dä Langa Lina eigekäft. Amol woarn zwej Fremma in Laoudn. Außer an flefll Zeuch wollt jeds an Braoutharing as dä Büchs un mit an Brötla gleich doart ass. ,,Können wir den gleich hier verzehren?", ham sa gefräjcht. „Nu freilich“, socht dä Max. ,,Die tun mä uffan Papptalela." Dä Mar hatt ufn linkn Oarm sein klenn Alexander sitzn. Des is da wu heit in Rewe mie es Saouchn hot. Wie rä mit dä rachtn Händ in arschtn Haring drauf wollt fia, grabbst dä Klä dänaouch, däwüscht na un zerqwetscht na miundurch.

,,Ha Alexander, des macht mä doch ne“ , lacht dä Max. A guckt die zwej Fremma a un säjcht: ,,Des is a Strieck!" Un a lejcht an neun Haring uff an neun Talella. Die Fremma ham sich ageguckt un ihra Braoutharing neigegarchlt. Sie ,,zahlten", sän naus un ham daußn noch ihrn Koopf geschüttlt.