Glasbläserstadt

Im Geschichtsbuch geblättert ...

Die Glasbläserstadt Lauscha (580 m - 835 m ü. NN) ist die Geburtsstätte des gläsernen Christbaumschmuckes und des Kunstglasbläserhandwerkes. Lauscha liegt mit dem Ortsteil Ernstthal am Rennsteig im südlichen Thüringer Wald, in einem der schönsten Wandergebiete Deutschlands. Etwa 3.900 Einwohner zählt Lauscha mit seinem Ortsteil zusammen. 1597 wurde Lauscha durch den Bau einer Glashütte gegründet. Diese wurden zu der Mutterglashütte der Glasproduktion im Thüringer Wald.

Die Glasmacher Hans Greiner und Christoph Müller erhielten am 10. Januar 1597 vom Herzog Johann Casimir zu Sachsen-Coburg die Konzession für diese Glashütte. 1707 wurde Ernstthal ebenfalls durch den Bau einer Glashütte gegründet. 1835 entwickelte Ludwig Müller-Uri das künstliche Menschenauge aus Glas in seiner modernen Form. Dieses revolutionierte die Versorgung derjenigen Patienten, welche durch Unfall, Krankheit oder Krieg ein Auge verloren hatten.

Blick auf die Farbglashütte
Blick auf die Farbglashütte
Im Jahre 1853 wurde die heutige Farbglashütte von Elias Greiner-Vetter-Sohn als Märbelhütte gegründet. 1867 erfolgte der Bau einer Gasanstalt in Lauscha. Diese war die Grundlage für die Entwicklung der Lauschaer Heimindustrie. Mit der Gasflamme war nun das Glas vielfältiger und dünnwandiger herstellbar.

In beiden Orten trifft man auch heute noch auf unzählige Glasbläserwerkstätten, Glasgeschäfte und Glashütten. Heute werden in Lauscha vielfältige Waren aus Glas hergestellt. Die Palette reicht vom Hüttenglas, lampengeblasenem Glas, Christbaumschmuck über Tier- und Puppenaugen aus Glas, den künstlichen Menschenaugen aus Glas bis hin zu modern gefertigten Flaschen und Flakons sowie Glasfaserdämmstoffen.

Glasbläser um 1900
Glasbläser um 1900

Eine dieser Glashütten, die Farbglashütte Lauscha, kann man besichtigen. In der Farbglashütte Lauscha haben die Besucher die Gelegenheit, eine einmalige Diatonschau zu erleben und den Glasmachern bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. Sie sehen wie von Hand Röhren und Stäbe gezogen werden oder fertige Gegenstände aus Glas entstehen. Eine Erlebniswelt aus Glas und ein spezieller Märbelmarkt faszinieren jung und alt.

Die ganze Familie mußte bei der Christbaum- schmuckproduktion mitarbeiten
Die ganze Familie mußte bei der Christbaum- schmuckproduktion mitarbeiten

Einen ganz besonderen Stellenwert hat der gläserne Christbaumschmuck in Lauscha. 1847 wurden durch einen Lauschaer Glasbläser die ersten Früchte und Nüsse aus Glas geschaffen. Diese waren vermutlich die Vorreiter der heutigen Christbaumkugeln. In den ersten Jahren wurde der Christbaumschmuck mit einer Zinn-Blei-Legierung verspiegelt, die 1870 durch das Verspiegeln mit Silbernitrat abgelöst wurde. Etwa um 1880 wurde der Amerikaner Woolworth auf die Lauschaer Erzeugnisse aufmerksam, kurze Zeit später war der Christbaumschmuck bereits Exportschlager. Zwischen 1870 und 1939 wurden ca. 5000 verschiedene Formen hergestellt. Der Christbaumschmuck wurde in Heimwerkstätten gefertigt und über die Sonneberger Verlagshäuser in alle Welt verkauft.

Seit 1990 erlebte die Christbaumschmuck-Herstellung eine neue Wende. Heute achten alle Hersteller wieder sehr auf die traditionelle handwerkliche Herstellung ihrer Erzeugnisse. Werkzeuge und Verfahren sind teilweise über hundert Jahre alt und werden wie ein Schatz gehütet. Doch nicht nur die Rückbesinnung auf Tradition, sondern auch moderner Lifestyle halten Einzug in die Entwicklung neuer Formen. Filigrane Handdekoration und Malerei hauchen dem Glas Leben ein. Die Palette der Farben und Maltechniken lässt keine Wünsche offen - ob schrillbunt oder nostalgisch - jeder wird seinen persönlichen Favoriten entdecken.

Christbaumschmuck heute - die Formen- und Farbenvielfalt kennt keine Grenzen
Christbaumschmuck heute - die Formen- und Farbenvielfalt kennt keine Grenzen